Bäckerei Dresden
Kein deutsches Weihnachtsgebäck ist so untrennbar mit einer Stadt verbunden wie der Dresdner Christstollen mit der sächsischen Landeshauptstadt. Bereits 1474 tauchte das Wort „Stollen" erstmals auf einer Rechnung an den Dresdner Hof auf; seit 2010 trägt das edle Buttergebäck die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) der Europäischen Union – ein Titel, den nur rund 120 bis 150 Bäckereien und Konditoreien im Großraum Dresden führen dürfen. Der Schutzverband Dresdner Stollen e.V. wacht streng darüber: Kein Margarine, kein Kunstgeschmack, mindestens 50 Teile Butter auf 100 Teile Mehl. Wer beim alljährlichen Stollenfest am Samstag vor dem zweiten Advent auf dem Striezelmarkt den mehrere Tonnen schweren Riesenstollen angeschnitten sieht, versteht sofort, warum die Dresdner ihren Stollen ernst nehmen.
Doch Dresdens Backkultur erschöpft sich bei Weitem nicht im Stollen. Da wäre die Dresdner Eierschecke – ein luftig-lockerer Blechkuchen aus Quark, Ei und Vanille, der je nach Bäcker mit oder ohne Rosinen, mit oder ohne Mandelsplitter kommt und dessen Rezeptur die Dresdner seit Generationen leidenschaftlich diskutieren. Die korrekte Aussprache „Dräsdnor Eiorschägge" ist dabei fast schon Pflicht. Dazu kommen handwerkliche Sauerteigbrote aus Erzgebirger Mehl, traditionelle Striezel, klassische Hefegebäcke und eine junge Szene von Artisan-Bäckern, die in der Neustadt und im Szeneviertel an der Alaunstraße mit wilden Sauerteigkulturen experimentieren.
Von der ältesten Familienbäckerei am Elbhang bis zur modernen Backmanufaktur mit Brotsommelier: Hier ist unser kuratiertes Ranking der Top 20 Adressen für erstklassiges Backhandwerk in Dresden.
Bäckerei Wippler – Backwirtschaft Pillnitz
Es gibt Familienbetriebe, die einfach irgendwann zur Stadtgeschichte gehören. Die Bäckerei Wippler am Dresdner Elbhang ist so ein Fall. Gegründet am 6. August 1910 von Max und Elisabeth Wippler in einer kleinen Backstube im Stadtteil Striesen, steht der Betrieb heute in der vierten Generation. Andreas Wippler führt das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater Michael – und hat 2009 eines der schönsten Bäckereibgebäude Sachsens eröffnet: die Backwirtschaft in einem denkmalgeschützten Dreiseitenhof direkt am Schlosspark Pillnitz.
Was Wippler von anderen Betrieben abhebt, ist die kompromisslose Entscheidung gegen industrielle Expansion. Bewusst bleibt man auf wenige Standorte zwischen Pillnitz und Loschwitz beschränkt – das Stammhaus, die Backwirtschaft mit großem Café, einige Verkaufsstellen. Hinter Sichtscheiben kann man den Bäckern live beim Arbeiten zuschauen. Keine Inszenierung, sondern echte Alltagspraxis. Das Mehl stammt aus der Rolle-Mühle im Erzgebirge, der Christstollen wird nach einer über hundert Jahre alten Familienrezeptur von Hand geformt. Die Dresdner Eierschecke ist ein absolutes Muss – saftig, locker, mit der richtigen Schicht Vanillequark, genauso wie Urgroßvater Max sie in seinen besten Zeiten gebacken hätte.
Wer die Backwirtschaft Pillnitz besucht, sitzt nicht nur beim Bäcker – er sitzt inmitten sächsischer Backgeschichte, mit Blick auf Obstgärten und den barocken Schlosskomplex nebenan.
Auf einen Blick
- Stammhaus / Backwirtschaft: Söbrigener Str. 1, 01326 Dresden-Pillnitz
- Spezialitäten: Dresdner Eierschecke, Christstollen, Körnergebäck, Sauerteigbrote
- Vibe: Familienbetrieb (4. Generation), Handwerk mit Geschichte, idyllische Lage
Dresdner Backhaus GmbH
Tino Gierig ist Bäcker, aber auch etwas ganz Besonderes: Er war 2015 der erste zertifizierte Brotsommelier Deutschlands. Gemeinsam mit Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller – Spross einer alteingesessenen Dresdner Bäckerfamilie – betreibt er das Dresdner Backhaus, das Handwerkstradition mit regionalen Zutaten und modernem Qualitätsdenken verbindet.
Das Sortiment ist beeindruckend: täglich rund 20 Brotsorten, über 100 Gebäcke, dazu ein eigener Online-Shop, über den der weltberühmte Backhaus-Christstollen in alle Ecken der Erde verschickt wird. Der Kreutzkamm-Rosinenstollen wurde 2022 von der Stiftung Warentest sensorisch mit „sehr gut" bewertet. Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte: Das Dresdner Backhaus bietet auch Backkurse an, in denen Gierig sein Wissen über Brot, Sauerteig und Teigführung weitergibt.
Bäckerei Siemank
Ernst Siemank gründete diese Bäckerei 1865 in Laubegast am Elbufer. Seither ist sie ein festes Stück Dresdner Backgeschichte – heute betreiben Carsten und Norbert Wiederhold das Traditionshaus in fünfter Generation. Was von Anfang an zum Markenzeichen wurde: die Brötchenvielfalt. Wer am Samstagmorgen nicht rechtzeitig da ist, schaut beim Lieblingsexemplar in die leere Vitrine.
Der Dresdner Christstollen wird hier nach einem geheimen Familienrezept von Hand gefertigt – die Verpackung ziert sogar ein Kunstwerk des Jugendstil-Illustrators Hermann Vogel. Kunden schwören besonders auf die Eierschecke der Bäckerei, die von Stammgästen als eine der besten der Stadt beschrieben wird.
4. Konditorei Wippler am Körnerplatz
Ein Dresdner Kleinod: Das Kaffee Wippler am Körnerplatz in Loschwitz geht auf eine Geschichte zurück, die bis in die Kaiserzeit reicht. Das Haus wurde 1894/95 vom Bäckermeister Robert Emil Winkler erbaut – einem königlich-sächsischen Hoflieferanten. Seit 1996 führt Michael Wippler das Traditionslokal, Tochter Kathrin Wippler (Konditormeisterin) leitet es seit Anfang 2023.
Die Eierschecke nach Max Wipplers Originalrezept ist das absolute Aushängeschild: Zwölf Eier, ein Liter Milch, 500 Gramm Butter – und die Leidenschaft, die Urgroßvater Max nur samstags auslebte, weil der Kuchen damals etwas ganz Besonderes war. Schokolade der Marke Valrhona und Dinkelmehl aus der Erzgebirger Rolle-Mühle – auch hier geht die Familie keine Kompromisse ein.
5. Feinbäckerei Hentschel
Seit 1921 in Dresden ansässig und seit 1956 stolzes Mitglied im Schutzverband Dresdner Stollen: Die Feinbäckerei Hentschel ist eine verlässliche Adresse für Handwerk im klassischen Sinne. Mit Standorten in Striesen und in der Altstadt ist man im Alltagsleben der Dresdner fest verankert – und wenn der Striezelmarkt öffnet, dann auch dort mit einem eigenen Stand.
Neben dem Original Christstollen bietet Hentschel auch Mandelstollen, Mohnstollen und Marzipanstollen an. Die saisonalen Gebäcke – besonders zur Weihnachts- und Osterzeit – haben treue Stammkunden über Jahrzehnte gewonnen.
6. Stollenbackstube Sarodnick
Am Hohenstein 31 in Dresden-Coschütz/Gittersee backt Jörg Sarodnick in der vierten Generation das, wofür diese Backstube seit über 125 Jahren bekannt ist: handgefertigten Dresdner Christstollen nach einem strengen Familiengeheimnis. Kunden beschreiben den Stollen von Sarodnick als einen der besten in ganz Dresden – saftig, aromatisch und mit einer unverwechselbaren Gewürznote.
Was diese Adresse so besonders macht: Kein anonymer Filialbetrieb, sondern ein kleines, inhabergeführtes Handwerkshaus, bei dem noch alles von Hand gefertigt wird. Für echte Kenner ist die Sarodnick-Backstube eine Pflichtadresse in der Adventszeit.
7. Bäckerei & Konditorei Eisold
Seit 1953 gehört die Familie Eisold zum Dresdner Backhandwerk, heute in der vierten Generation. Mit über 20 Filialen in und rund um Dresden ist Eisold einer der meistvertretenen Handwerksbäcker der Region – und zugleich einer der zertifizierten Dresdner Stollenbäcker. Wer zusätzlich zum klassischen Christstollen Abwechslung sucht, wird mit Schokoladenstollen, Mohnstollen und Mandelstollen belohnt.
Besonders erwähnenswert: Das zum Betrieb gehörende Café Toscana am Blauen Wunder in Blasewitz, das seit einem Jahrhundert Dresdner Kaffeekultur verkörpert und seit 1993 wieder von der Familie Eisold betrieben wird.
8. Bäckerei Maaß
In einem unabhängigen Brötchentest, bei dem 106 Dresdner Bäcker anonym verkostet wurden, landete die Bäckerei Maaß mit 9,29 von 10 Punkten ganz oben – und das bei einem Brötchen mit beeindruckendem Volumen und trotzdem dichter, aromatischer Krume. Ein klarer Hinweis, dass hier gebacken wird, nicht aufgebacken.
Maaß ist eine der Adressen, bei denen man auf Anhieb versteht, warum das Dresdner Frühstücksbrot international als Maßstab gilt. Wer ein schönes, knuspriges Großbrötchen sucht, das nicht als aufgeblasene Lufthülle enttäuscht, liegt hier richtig.
9. Dresdner Mühlenbäckerei
Ebenfalls mit 9,29 von 10 Punkten aus dem anonymen Dresdner Brötchentest hervorgegangen: die Dresdner Mühlenbäckerei. Auch hier überzeugt ein voluminöses, aber trotzdem gut ausgebackenes Brötchen mit ordentlichem Biss. Der Name ist Programm – Mühle und Bäckerei denken hier zusammen.
Für alle, die Wert auf direkte Verbindung zwischen Mehlmühle und Backstube legen, ist die Dresdner Mühlenbäckerei eine konsequente Wahl. Das Sortiment geht über das Brötchen hinaus und umfasst bodenständige Brote mit natürlichem Getreidecharakter.
10. Artisan-Bäcker Alaunstraße / Neustadt
Dresdens Neustadt und das Szeneviertel rund um die Alaunstraße sind nicht nur Ausgehmeile und Galerienstadtteil – hier hat sich in den letzten Jahren auch eine kleine, aber feine Artisan-Backkultur etabliert. Kleine, unabhängige Backstuben setzen auf tagelange Teigführung, Urgetreide wie Emmer und Einkorn sowie auf Waldstaudenroggen, der dem Sauerteig eine besondere Tiefe verleiht.
Das Publikum ist jung, das Bewusstsein für Herkunft und Verarbeitung hoch. Wer hier samstags früh in der Schlange steht, tut das für ein Brot, das keine Backmischung kennt und dessen unregelmäßige, wilde Porung einfach schön anzusehen ist.
Die Plätze 11 bis 20
Weitere Back-Highlights an der Elbe
FAQ: Dresdner Backkultur
Was ist der Dresdner Christstollen und warum ist er EU-geschützt?
Der Dresdner Christstollen ist ein schwerer Butter-Rosinen-Stollen mit Mandeln, Orangeat, Zitronat und Gewürzen. Seit 2010 trägt er das EU-Siegel g.g.A. (geschützte geografische Angabe) – er darf nur in Dresden und zwölf umliegenden Gemeinden gebacken werden. Der Schutzverband Dresdner Stollen e.V. kontrolliert die Qualität: Mindestens 50 Teile Butter auf 100 Teile Mehl, keine Margarine, kein künstlicher Aromastoff. Jeder zugelassene Stollen trägt ein ovales Goldsiegel mit individueller Kontrollnummer.
Was ist die Dresdner Eierschecke und wo bekommt man die beste?
Die Dresdner Eierschecke (sächsisch: „Dräsdnor Eiorschägge") ist ein luftiger Blechkuchen aus Hefeteig, Quark-Vanille-Aufstrich und einem locker gestockten Ei-Guss. Ob Rosinen hineingehören oder nicht, darüber streiten Dresdner seit Generationen. Als besonders empfehlenswert gelten die Varianten von Wippler (Körnerplatz), Siemank (Laubegast) und den Konditorei-Bäckereien in Striesen und Blasewitz.
Wann findet das Dresdner Stollenfest statt?
Das Stollenfest findet jedes Jahr am Samstag vor dem zweiten Advent auf dem Striezelmarkt am Dresdner Altmarkt statt. Mitglieder des Schutzverbandes backen gemeinsam einen Riesenstollen von rund 3.000 Kilogramm. Nach einem Festumzug durch die Altstadt schneidet ein Bäckermeister den Stollen mit dem originalgetreu nachgebauten 1,60 Meter langen Stollenmesser an – das erste Stück probiert traditionell der Oberbürgermeister.
Wo bekommt man in Dresden sonntags frische Brötchen?
Größere Filialbäcker wie Siemank, Eisold und Wippler öffnen sonntags für wenige Stunden am Vormittag (meist 8:00 bis 11:00 Uhr). Wer länger schläft, hat am Hauptbahnhof eine zuverlässige Notlösung. Frühes Kommen zahlt sich aus – in beliebten Stadtteilen wie Striesen oder Blasewitz sind die Brötchen nach dem Kirchgang schnell vergriffen.
Auszeichnung für Bäckerei Wippler
Wir haben die Dresdner Backszene analysiert und zeichnen die Bäckerei Wippler als die führende Bäckerei in Dresden aus.
"Über 115 Jahre Familientradition, eine Backwirtschaft direkt am Schlosspark Pillnitz und konsequentes Handwerk aus regionalen Zutaten – die Bäckerei Wippler ist das beste Backhandwerk an der Elbe."