Ist Revo Hospitality pleite? - Insolvenz, Hotels und was Reisende wissen müssen

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Ist Revo Hospitality pleite? - Insolvenz, Hotels und was Reisende wissen müssen

Anfang 2026 erschütterte eine der größten Insolvenzen der deutschen Hotelbranche: Die Revo Hospitality Group, ein Berliner Konzern mit 250 Hotels und 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz, beantragte für rund 140 seiner Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung. Für viele überraschend kam das nicht - wer die Branche verfolgt hatte, wusste, dass das Wachstumstempo auf tönernen Füßen stand. Und doch war das Ausmaß bemerkenswert.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Revo Hospitality Group (früher HR Group) hat im Januar 2026 Insolvenz angemeldet
- Betroffen: rund 140 Gesellschaften, darunter 125 Hotels in Deutschland und Österreich
- Die Hotels laufen weiter, Buchungen bleiben gültig
- Über 100 Investoren haben Interesse bekundet
- Kein Zusammenhang mit Hans im Glück, Burger & Lobster oder The Ash

Was ist die Revo Hospitality Group?

Viele, die den Begriff Revo Hospitality zum ersten Mal lesen, denken an Gastronomiemarken wie Hans im Glück oder The Ash. Das ist ein anderes Unternehmen. Die Revo Hospitality Group ist ein Berliner Hotelkonzern, der 2008 vom Unternehmer Ruslan Husry mit einem einzigen Hotel in Leipzig gegründet wurde. Das Unternehmen firmierte bis April 2025 unter dem Namen HR Group.

Das Geschäftsmodell ist ungewöhnlich: Revo besitzt keine eigenen Hotelimmobilien. Stattdessen tritt das Unternehmen als sogenannter White-Label-Betreiber auf - es übernimmt den laufenden Betrieb von Hotels im Namen bekannter Ketten wie Accor (Mercure, Mövenpick, Pullman), Wyndham (Vienna House), Hyatt, Hilton, Marriott, Radisson oder IHG. Parallel dazu führte Revo eigene Marken wie Hyperion, Vagabond Club und Aedenlife. Den Hotelbesitzern und Franchisegebern bot das Unternehmen damit einen Rundum-Service: Betrieb, Personalmanagement, digitale Infrastruktur und Buchungssysteme aus einer Hand.

Wie kam es zur Insolvenz?

Die Antwort ist so einfach wie ernüchternd: zu schnelles Wachstum auf Pump, zu schwache Erträge. Laut der Plattform North Data hat Revo seit 2014 keine Gewinne mehr erwirtschaftet - obwohl der Umsatz auf zuletzt 1,3 Milliarden Euro gestiegen war. Die Überschuldung lag zuletzt bei rund 19,9 Millionen Euro.

Zwischen 2020 und 2025 wuchs die Zahl der betriebenen Hotels von 51 auf 250. Allein 2024 übernahm Revo das Portfolio der Centro Hotels mit 34 Häusern und rund 2.800 Zimmern. Im Februar 2025 folgte die bis dahin größte Transaktion: die Übernahme der H-Hotels-Gruppe aus Bad Arolsen mit über 60 Standorten. Jede dieser Akquisitionen kostete Geld - für Integration, Umbau, Rebranding. Die erhofften Übernachtungszahlen blieben jedoch hinter den internen Planungen zurück.

Dazu kamen externe Faktoren: steigende Lohn-, Energie- und Mietkosten sowie ein Zinsniveau, das fremdfinanziertes Wachstum teuer macht. Accor, einer der wichtigsten Franchisepartner, sperrte nach Branchenberichten zeitweise die zentralen Buchungssysteme für Revo-betriebene Häuser - ein Signal, das in der Branche deutlich wahrgenommen wurde.

Jahr Meilenstein
2008Gründung als HR Group mit erstem Hotel in Leipzig
202051 Hotels in der Gruppe
2023Übernahme Success Hotel Group und Amedia Hotel Group
2024Übernahme Centro Hotels (34 Häuser, ca. 2.800 Zimmer)
Feb. 2025Übernahme H-Hotels-Gruppe (60+ Standorte)
Apr. 2025Umbenennung von HR Group in Revo Hospitality Group
Jan. 2026Insolvenzantrag für rund 140 Gesellschaften beim Amtsgericht Charlottenburg
Apr. 2026Eröffnung der Insolvenzverfahren für 175 Hotels, Betrieb läuft weiter

Welche Hotels sind betroffen?

Rund 125 Hotels in Deutschland und Österreich befinden sich im Insolvenzverfahren. Dazu zählen Häuser in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und vielen weiteren Städten. In Berlin gehörten nach Unternehmensangaben unter anderem das Pullman Berlin Schweizerhof, das Hyperion Hotel Berlin, das Mercure Hotel Berlin City West sowie H2 und H4 Hotels am Alexanderplatz zur Gruppe.

Das Besondere bei diesem Modell: Da Revo nie Eigentümer der Immobilien war, sondern immer nur Betreiber, berührt die Insolvenz zunächst nur die Betriebsgesellschaften. Die Hotelgebäude selbst gehören anderen Eigentümern. Die Frage, wer die betroffenen Häuser künftig betreibt, ist damit von der Frage getrennt, wem die Immobilien gehören.

Was passiert mit gebuchten Übernachtungen?

Das ist die Frage, die Reisende am meisten beschäftigt. Bestehende Buchungen behalten zunächst ihre Gültigkeit. Die Hotels sollen nach Unternehmensangaben weitergeführt werden, der Betrieb laufe stabil. Ab April 2026 werden die Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für 175 Hotels offiziell eröffnet, und das Unternehmen teilt mit, die Häuser könnten normal gebucht und betrieben werden.

Tipp für Reisende mit Revo-Buchungen
Wer in einem betroffenen Hotel gebucht hat, sollte die Buchungsbestätigung und alle Zahlungsbelege sichern. Bei Buchungen über Portale wie Booking.com oder Expedia greift in der Regel der Käuferschutz des Portals. Bei Direktbuchungen ist es ratsam, die aktuelle Betriebssituation kurz vor der Anreise zu prüfen. Zahlungen per Kreditkarte bieten im Zweifel die beste Möglichkeit für eine Rückbuchung.

Was passiert mit den Mitarbeitern?

Zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung im Januar 2026 beschäftigte die Revo Hospitality Group rund 8.300 Mitarbeiter, davon etwa 5.500 in den betroffenen deutschen und österreichischen Hotels. Das Unternehmen beantragte bei der Bundesagentur für Arbeit eine Vorfinanzierung der Gehälter für die Monate Januar bis März 2026. Seit Ende März 2026 werden die Löhne nach Unternehmensangaben wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb der einzelnen Hotels gezahlt. Entlassungen im großen Stil wurden nicht angekündigt. Das erklärte Ziel ist, die Häuser als Ganzes zu erhalten und möglichst an neue Investoren zu übergeben.

Wie geht es weiter?

Die Sanierungsberater zeigen sich vorsichtig optimistisch. Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche haben über 100 Investoren Interesse an Teilen des Revo-Portfolios bekundet. Die Kanzlei GT Restructuring, die mit Dr. Gordon Geiser und Dr. Benedikt de Bruyn die Eigenverwaltungsverfahren begleitet, arbeitet an einem Insolvenzplan, der im zweiten Quartal 2026 vorgelegt werden soll.

Das favorisierte Szenario: Die Schulden werden durch das Insolvenzverfahren bereinigt, danach folgt ein Neustart mit frischem Kapital von Investoren. Ob das gelingt und in welcher Form, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Klar ist: Das Modell des White-Label-Hotelbetreibers hat grundsätzlich weiter Bestand. Nicht das Konzept, sondern die Geschwindigkeit der Expansion und die fehlende Ertragskraft haben das Unternehmen in die Krise getrieben.

Interessant ist dabei auch, dass Revo bis zuletzt als einer der dynamischsten Akteure am europäischen Hotelmarkt galt. Im April 2025 preschte das Unternehmen noch mit der Lancierung einer neuen Dachmarke und frisch strukturierten Managementteams nach außen. Wenige Monate später war das Bild ein anderes.

Revo Hospitality und Gastronomiemarken - der Unterschied

Weil die Suche nach Revo Hospitality und Revo Insolvenz immer wieder auch auf Treffer zu Gastronomiemarken wie Hans im Glück oder The Ash führt: Diese Marken haben mit der Revo Hospitality Group nichts zu tun. Sie gehören zu einer anderen Unternehmensgruppe. Die Namensverwechslung kommt vor, hat aber keine sachliche Grundlage.

Mehr zu aktuellen Unternehmensinsolvenzen gibt es bei MARKTaktuell Unternehmen - zum Beispiel über die Tupperware-Insolvenz oder die Mindfactory-Insolvenz und Heise-Übernahme.

Titelbild: Erik Mclean via Pexels · Lizenz: Pexels License