Ist Mindfactory insolvent? - Insolvenz, Heise-Übernahme und was Kunden wissen müssen

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Ist Mindfactory insolvent? - Insolvenz, Heise-Übernahme und was Kunden wissen müssen

Mindfactory - der Hardware-Onlineshöp aus Wilhelmshaven, bei dem Generationen von PC-Bastlern ihre Grafikkarten, Prozessoren und RAM-Riegel bestellt haben - ist insolvent. Die kurze Antwort: ja, war es. Aber die längere Antwort ist differenzierter. Denn Mindfactory hat die Insolvenzphase mittlerweile hinter sich und firmiert seit dem 31. Juli 2025 unter dem Dach des Medienhauses Heise als heise mindfactory GmbH weiter.

Was genau passiert ist, was das für laufende und zukünftige Bestellungen bedeutet - und wie es überhaupt dazu kommen konnte - erklärt dieser Artikel.

Was ist bei Mindfactory passiert?

Anfang März 2025 machten Gerüchte in einschlägigen PC-Foren die Runde: Mindfactory habe plötzlich kaum noch Produkte im Shop, Apple-Artikel verschwanden komplett, Rückerstattungen blieben aus, Bestandskunden wurden zur Neuanmeldung aufgefordert. Das Unternehmen selbst schwieg wochenlang.

Am 28. Februar 2025 hatte Mindfactory bereits beim Amtsgericht Wilhelmshaven Insolvenzantrag gestellt - ohne öffentliche Kommunikation. Am 13. März 2025 ordnete das Gericht die vorläufige Eigenverwaltung gemäß § 270b InsO an. Ende März bestätigte Mindfactory in einer offiziellen Pressemitteilung den Insolvenzantrag und das laufende Eigenverwaltungsverfahren.

Was bedeutet Eigenverwaltung konkret? Mindfactory durfte den Geschäftsbetrieb eigenständig fortführen - die Geschäftsführung blieb im Amt, wurde aber von einem Sachwalter der Kanzlei WallnerWeiß überwacht. Der Online-Shop wurde schrittweise wieder stabilisiert, Lieferanten nahmen die Warenlieferungen wieder auf und gewährten laut Unternehmensangaben sogar Preisnachlässe, um den Sanierungsprozess zu unterstützen.

Was war der Auslöser?

Mindfactory selbst nannte keine offiziellen Gründe. Insider und Medienberichte deuten jedoch auf eine Kombination aus Buchführungsproblemen und einer daraus resultierenden unerwarteten Millionen-Forderung des Finanzamts hin. Als das Finanzamt Zahlung verlangte und Lieferanten daraufhin Vorkasse forderten, brach der Cashflow zusammen. Mindfactory - ein Unternehmen, das auf engen Margen und funktionierenden Lieferketten aufgebaut ist - geriet in eine Liquiditätskrise, aus der es alleine nicht mehr herauskam.

Das Unternehmen wurde 1996 in Wilhelmshaven als Familienunternehmen gegründet, ging 2000 kurzzeitig an die Börse und wurde 2024 wieder in eine GmbH umgewandelt. Mit rund 300 Millionen Euro Jahresumsatz galt Mindfactory als einer der führenden IT- und Gaming-Händler Deutschlands.

Was bedeutet das für Kunden und Bestellungen?

Während des Insolvenzverfahrens lief der Shop weiter - mit Einschränkungen. Bezahlung war zeitweise nur per PayPal oder Vorkasse möglich. Der Support hatte einen erheblichen Rückstand aufgebaut, der schrittweise abgearbeitet wurde. Laut Unternehmensangaben gab es keine insolvenzbedingten Kündigungen, alle rund 100 Mitarbeiter behielten ihren Arbeitsplatz.

Für Kunden mit offenen Forderungen aus der Zeit vor Verfahrensbeginn - zum Beispiel ausstehende Rückerstattungen oder Garantiefälle - gilt das Insolvenzrecht: Forderungen können beim Sachwalter zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Ob und in welchem Umfang sie beglichen werden, hängt von der Insolvenzmasse ab. Durch die Heise-Übernahme hat sich die Situation für Neukunden und laufende Bestellungen jedoch grundlegend verbessert.

Heise übernimmt Mindfactory - was steckt dahinter?

Die entscheidende Wende kam im Sommer 2025: Das Medienhaus Heise aus Hannover - bekannt für c't, heise online und den Preisvergleich idealo-Konkurrenten Heise Preisvergleich - unterzeichnete am 30. Juni 2025 einen Übernahmevertrag. Am 1. Juni hatte das Amtsgericht das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet, was den Weg für einen Verkäufer freimachte. Das Bundeskartellamt erteilte Mitte Juli grünes Licht, der Deal wurde zum 31. Juli 2025 vollzogen.

Heise übernahm den Geschäftsbetrieb per Asset-Deal, einschließlich der Schulden. Der Markenname Mindfactory bleibt erhalten, das Unternehmen firmiert nun als heise mindfactory GmbH. Alle rund 100 Mitarbeiter wurden übernommen, der Standort Wilhelmshaven bleibt. Marcel Kirchner wurde als neuer Geschäftsführer eingesetzt und hält auch Anteile am Unternehmen.

Heise-Geschäftsführer Ansgar Heise betonte ausdrücklich, dass Redaktionen und Preisvergleichsportale der Heise-Gruppe unabhängig bleiben und Mindfactory keine redaktionelle Sonderbehandlung erfahren werde - eine wichtige Klarstellung, da Heise nun sowohl journalistische als auch kommerzielle Interessen im Tech-Bereich unter einem Dach vereint.

Kann man bei Mindfactory jetzt wieder bedenkenlos bestellen?

Mit dem Abschluss der Übernahme durch Heise hat Mindfactory die Insolvenzphase offiziell hinter sich. Der Shop läuft als heise mindfactory GmbH weiter, die Marke bleibt bestehen, und mit Heise steht ein finanzstarker Träger dahinter. Für Neukunden und aktuelle Bestellungen gibt es damit keine strukturellen Bedenken mehr.

Wer allerdings noch offene Forderungen aus der Zeit vor der Übernahme hat - etwa aus dem Frühjahr 2025 - sollte diese beim Insolvenzverwalter angemeldet haben. Die Glaubigerversammlung vor dem Amtsgericht Wilhelmshaven fand am 13. August 2025 statt. Ob noch Ausschüttungen an Gläubiger erfolgen, hängt vom weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ab.

Mehr über Unternehmensinsolvenzen und Eigentümerstrukturen bekannter Marken gibt es bei MARKTaktuell Unternehmen - zum Beispiel über die Tupperware-Insolvenz.

Titelbild: Rachel Claire via Pexels · Lizenz: Pexels License