Wem gehört Decathlon? - Die Familie hinter dem Sportriesen
Wer bei Decathlon einkauft, denkt meistens an günstige Laufschuhe, stapelweise Campingzubehör oder das Faltrad, das man eigentlich nie kaufen wollte und dann doch mitgenommen hat. Was die wenigsten Kunden wissen: Hinter dem Sportartikelhändler steckt eine der verschwiegensten und reichsten Familiendynastien Frankreichs - und ein Unternehmensgeflecht, das weit über Sportartikel hinausgeht.
Wem gehört Decathlon?
Decathlon gehört zu je 40 Prozent den Familien Leclercq und Mulliez. Die restlichen Anteile halten weitere Mitglieder der Association Familiale Mulliez (AFM), der Familien-Holdinggesellschaft, die beide Clans unter einem Dach verbindet. Seit 1955 gilt die eiserne Regel: Nur Familienangehörige dürfen Anteile halten - kein Börsengang, keine externen Investoren, keine institutionellen Anteilseigner.
Die AFM ist das, was man ein stilles Imperium nennen könnte. Neben Decathlon vereint sie unter anderem die Supermarktkette Auchan, die Baumärkte Leroy Merlin, den Elektronikhändler Boulanger, Modeketten wie Pimkie und Kiabi sowie Bankdienstleistungen (Banque Accord) und Immobilien (Immochan). Der Gesamtumsatz der AFM-Gruppe übersteigt 90 Milliarden Euro im Jahr. Das Familienvermögen wird auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt - die Mulliez zählen damit zu den reichsten Familien Frankreichs.
Die Gründungsgeschichte - ein Parkplatz in Lille
Decathlon entstand 1976 auf denkbar unspektakuläre Weise: Michel Leclercq, ein Cousin von Auchan-Gründer Gérard Mulliez, eröffnete in Englos bei Lille ein Sportartikelgeschäft - auf dem Parkplatz eines Auchan-Supermarktes. Leclercq hatte zuvor bei Auchan gearbeitet, wollte aber etwas Eigenes aufbauen, ohne zur Konkurrenz zu wechseln. Die Idee für einen großflächigen Sportartikeldiscounter hatte er sich in den USA geholt.
Das Konzept war damals neu: breites Sortiment, günstige Preise, viele Eigenmarken - und das für alle Sportarten unter einem Dach. Der Name Decathlon steht dabei für Zehnkampf, also für die Breite des Angebots. Am Anfang handelte Leclercq mit bekannten Marken, Adidas soll sich zunächst geweigert haben zu liefern. Inzwischen ist das Eigenmarken-Geschäft das Herzstück des Unternehmens.
Das Geschäftsmodell: Eigenmarken und Masse
Was Decathlon von den meisten Konkurrenten unterscheidet: Das Unternehmen entwickelt, produziert und verkauft seine Produkte weitgehend selbst. Über 65 Eigenmarken decken alle Sportbereiche ab - von Quechua (Outdoor) über B'Twin (Fahrrad) bis Domyos (Fitness). Forschung und Entwicklung finden größtenteils in Frankreich statt, produziert wird überwiegend in Asien.
Das erlaubt niedrige Preise bei kontrollierten Margen. 2024 erzielte Decathlon einen Umsatz von 16,2 Milliarden Euro - allein im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen weltweit fast 1,2 Milliarden Artikel. An die Familie Mulliez soll Decathlon 2024 rund eine Milliarde Euro Dividende ausgeschüttet haben.
Wie groß ist Decathlon heute?
Decathlon betreibt 2025 über 1.817 Filialen in 79 Ländern und beschäftigt rund 101.000 Mitarbeiter weltweit. Der Hauptsitz liegt in Villeneuve-d'Ascq bei Lille - geografisch also genau dort, wo alles angefangen hat. Frankreich ist der größte Markt, gefolgt von China, Deutschland, Spanien und Italien.
In Deutschland ist Decathlon seit den 1980er Jahren aktiv und betreibt heute mehrere hundert Filialen. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Intersport oder SportScheck setzt Decathlon fast ausschließlich auf Eigenmarken im Flächenformat - große, eher nüchtern gestaltete Läden außerhalb der Innenstädte, oft in Gewerbegebieten.
Diskret, familiär, beständig
Die Mulliez-Familie ist bekannt dafür, die Öffentlichkeit zu meiden. Kein Familienmitglied tritt regelmäßig als Sprecher auf, Interviews sind die Ausnahme. Das Modell der AFM - Familienanteile, keine Börsennotierung, langfristiger Horizont statt Quartalsergebnissen - hat sich über Jahrzehnte als stabil erwiesen. Der Clan zählt zwischen 550 und 700 Mitglieder, und alle sind durch das Regelwerk der AFM aneinander gebunden.
Einen Börsengang von Decathlon hat es bislang nicht gegeben, und es gibt keine Anzeichen, dass er geplant ist. Wer von der Decathlon-Erfolgsgeschichte profitieren will, kann das also nicht über Aktien tun - sondern allenfalls indirekt über das Wachstum des Unternehmens als Arbeitgeber oder Lieferant.
Mehr über Eigentümerstrukturen bekannter Handelsmarken gibt es bei MARKTaktuell Unternehmen - zum Beispiel darüber, wem Action gehört.
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