Wem gehört OBI? - Tengelmann, Familie Haub und ein Familienimperium mit Dramatik

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Wem gehört OBI? - Tengelmann, Familie Haub und ein Familienimperium mit Dramatik

Wer in Deutschland einen Nagel in die Wand schlagen, eine Wand streichen oder das Bad renovieren will, landet früher oder später bei OBI. Der Biber mit dem Schutzhelm ist das Symbol einer Baumarktkette, die seit mehr als 50 Jahren zum Alltag gehrt. Doch wem gehört OBI eigentlich - und wie kam es dazu?

Die kurze Antwort: OBI gehört zu 74 Prozent der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG mit Sitz in Mülheim an der Ruhr. Der restliche Anteil von 26 Prozent liegt bei der Lueg-Gruppe, einem Automobilhändler aus Bochum. Und hinter Tengelmann steht die Familie Haub - eine der reichsten und derzeit dramatischsten Unternehmerfamilien Deutschlands.

Der erste OBI: 870 Quadratmeter in Hamburg-Poppenbüttel

Die Geschichte beginnt nicht in einer Unternehmensberatung, sondern im Amerika der Nachkriegszeit. Emil Lux und Manfred Maus beobachteten auf US-Reisen, wie das Do-it-yourself-Prinzip dort den Alltag veränderte: ein Laden, der Werkzeuge, Farben, Holz und Eisenwaren unter einem Dach anbot, statt auf ein Dutzend Fachgeschäfte verteilt. In Deutschland gab es das noch nicht.

Am 5. November 1970 öffnete der erste OBI-Baumarkt im Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg-Poppenbüttel - auf 870 Quadratmetern, mit dem Motto "12 Fachgeschäfte unter einem Dach". Den Namen OBI hatte Manfred Maus kurz zuvor für 3.000 Francs von französischen Geschäftsleuten gekauft, die in Frankreich unter diesem Namen einen Baumarkt betrieben. OBI leitet sich von der französischen Aussprache des Wortes Hobby ab. Als kleine Absicherung vereinbarten die Parteien im Kaufvertrag: In Frankreich dürfen keine weiteren OBI-Märkte eröffnet werden - bis heute gilt diese Einschränkung.

Die Idee traf den Zeitgeist. Das Heimwerkern in Westdeutschland stand vor einem großen Wachstumsschub, und OBI wuchs mit. 1975 zählte die Kette bereits 16 Standorte, das Franchise-Modell brachte externe Unternehmer ins System. Die Systemzentrale zog von Remscheid nach Wermelskirchen um, wo OBI bis heute seinen Hauptsitz hat.

1985: Tengelmann übernimmt die Mehrheit

Der entscheidende Einschnitt in der OBI-Geschichte kam 1985: Die Tengelmann-Unternehmensgruppe übernahm die Mehrheit an OBI und leitete damit eine Phase des systematischen Wachstums ein. Tengelmann war zu diesem Zeitpunkt einer der größten Einzelhandelskonzerne Deutschlands, mit Wurzeln im Lebensmittelhandel des 19. Jahrhunderts. Für OBI bedeutete die Eingliederung in den Konzern vor allem eines: mehr Kapital für Expansion.

In den 1990er Jahren begann OBI, über die deutschen Grenzen hinauszuwachsen. Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich, die Schweiz - OBI wurde zu einer europäischen Baumarktkette. 2007 stockte Tengelmann seinen Anteil an OBI von 63 auf 74 Prozent auf, indem die Gruppe die Anteile der Gründerfamilie Lux aufkaufte. Seitdem hat sich die Eigentumsstruktur nicht mehr verändert.

Die OBI Group Holding SE & Co. KGaA

Formal sitzt OBI in einer Holdingstruktur: Die OBI Group Holding SE & Co. KGaA mit Sitz in Wermelskirchen ist die Muttergesellschaft des Konzerns. Sie wird wiederum in den Konzernabschluss der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG einbezogen. Darunter hängen zahlreiche Tochtergesellschaften - OBI Holding GmbH, OBI E-Commerce GmbH, OBI Logistics GmbH und weitere. Die Geschäftsführung liegt bei der persönlich haftenden Gesellschafterin OBI Group Holding Management SE. Aktueller CEO ist seit 2022 Dr. Sebastian Gundel, der den langjährigen Sergio Giroldi ablöste.

OBI ist nicht börsennotiert. Ein Börsengang wurde zuletzt 2022 als Option erwähnt - Tengelmann-Chef Christian Haub hatte OBI als "auf Kapitalmarktfähigkeit getrimmt" bezeichnet - ist aber bislang nicht umgesetzt worden.

Wer ist die Familie Haub?

Ohne die Familie Haub lässt sich Tengelmann und damit OBI nicht verstehen. Die Geschichte beginnt mit Erivan Haub, der 1969 nach dem Tod seines Onkels Karl Schmitz-Scholl die Leitung der Tengelmann-Gruppe übernahm und das Unternehmen zu einem der größten deutschen Handelskonzerne ausbaute. Erivan Haub starb im März 2018.

Sein ältester Sohn Karl-Erivan Haub hatte ab dem Jahr 2000 die Geschäftsführung übernommen und war es, der OBI gezielt ausbaute, Tengelmanns Supermarktgeschäft verkaufte und das Unternehmen neu ausrichtete. Am 7. April 2018 brach Karl-Erivan Haub zu einer Skitour am Klein Matterhorn in der Schweiz auf und kam nie zurück. Keine Spur, kein Hilferuf, keine Leiche. Das Amtsgericht Köln erklärte ihn 2021 für tot. Ob sein Tod vorgetäuscht war und er sich nach Russland abgesetzt hat, ist bis heute ungeklärt - Medienrecherchen deuten in diese Richtung, Beweise gibt es keine.

Seither führt sein jüngster Bruder Christian Haub das Unternehmen als alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. Innerhalb der Familie kam es zu erbitternten Erbstreitigkeiten: Karl-Erivans Witwe und seine Kinder, sein Bruder Georg sowie seine Mutter stritten über Anteile, Zahlungen und die Kontrolle über das Unternehmen. Laut Medienberichten einigte sich Christian Haub 2021 mit der Witwe für rund 1,7 Milliarden Euro auf eine Abfindung für ihre Anteile. Sein Bruder Georg führte eine separate Klage über 800 Millionen Euro.

Es ist, milde ausgedrückt, eine unruhige Eigentümergeschichte für eine Baumarktkette.

Was ist OBI heute?

Trotz aller familiären Turbulenzen betreibt OBI heute über 640 Märkte in zehn europäischen Ländern und beschäftigt rund 40.000 Menschen. Deutschland ist mit rund 350 Standorten der größte Markt. Hinzu kommen Franchise-Partner, die weitere Märkte unter der Marke betreiben.

Der Gesamtumsatz über alle Märkte hinweg - inklusive Franchise - lag 2023 bei rund 8,2 Milliarden Euro. Im reinen Filialgeschäft erzielte OBI laut Statista 2024 in Deutschland rund 4,2 Milliarden Euro Bruttoumsatz - und musste damit erstmals den Konkurrenten Bauhaus als inländischen Marktführer passieren lassen. Der Abstand ist allerdings gering, und OBI reagiert mit einer verstärkten Franchise-Strategie sowie dem Ausbau des digitalen Angebots über die Plattform heyOBI, die im August 2024 die Marke von sieben Millionen aktiven Nutzern überschritt.

Der Rückzug aus Russland nach dem Beginn des Angriffskriegs 2022 kostete OBI laut Unternehmensangaben rund 148 Millionen Euro - 27 Märkte wurden geschlossen. Anfang 2025 übernahm OBI zudem die zehn Schweizer Märkte, die bislang vom Migros-Genossenschaftsbund als Franchisepartner betrieben worden waren.

Und die Lueg-Gruppe?

Der Minderheitsanteil von 26 Prozent an OBI liegt bei der Lueg-Gruppe aus Bochum - einem Automobilhändler, der nichts mit dem klassischen Baumarktgeschäft zu tun hat. Die Verbindung entstand historisch: Klaus Birker, einer der drei OBI-Gründer, war Kommanditist der Emil Lux GmbH, und die Beteiligung der Lueg-Gruppe ist das Ergebnis dieser ursprünglichen Gründerstruktur. Lueg ist als stiller Minderheitsgesellschafter beteiligt und übt keine operative Rolle aus.

Fazit

OBI gehört Tengelmann, und Tengelmann gehört der Familie Haub - in erster Linie derzeit Christian Haub als geschäftsführender Gesellschafter. Die 26 Prozent der Lueg-Gruppe komplettieren die Eigentumsstruktur. Was auf den ersten Blick klar und übersichtlich wirkt, wird durch eine Familiengeschichte eingefärbt, die an Dramatik wenig vermissen lässt. Das operative Geschäft - also das, was OBI-Kunden täglich erleben - läuft davon weitgehend unabhängig: mit 40.000 Mitarbeitern, über 640 Märkten in ganz Europa und dem Biber als Maskottchen.

Mehr über die Eigentümerstrukturen bekannter Unternehmen gibt es in unserem Artikel über wem IKEA gehört. Weitere Unternehmensartikel finden sich auf MARKTaktuell Unternehmen.

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