OBI Tochtergesellschaften - Konzernstruktur, Landesgesellschaften und Serviceeinheiten
Die OBI Group Holding SE & Co. KGaA hält laut Konzernabschluss 2021 insgesamt 51 inländische und 37 ausländische Tochtergesellschaften. Darunter sind nationale Betriebsgesellschaften in zehn europäischen Ländern, eine eigene globale Einkaufsgesellschaft, digitale Serviceeinheiten und ein weitverzweigtes Franchise-System. Wer wissen will, wie der Konzern hinter den orangefarbenen Märkten aufgebaut ist, findet hier den vollständigen Überblick.
OBI auf einen Blick (Geschäftsjahr 2024)
- Muttergesellschaft: OBI Group Holding SE & Co. KGaA, Sitz Wermelskirchen
- Eigentümer: Tengelmann-Gruppe (74%) und Lueg-Gruppe (26%)
- 661 Märkte in 10 europäischen Ländern
- Gesamtumsatz 2024: 8,2 Milliarden Euro
- Rund 40.000 Mitarbeiter
- Über 10 Millionen registrierte heyOBI-Nutzer
- Komplementär: OBI Heimwerkermarkt Systemzentrale GmbH, Wermelskirchen
Die Muttergesellschaft und ihre Rechtsform
An der Spitze des Konzerns steht die OBI Group Holding SE & Co. KGaA mit Sitz in Wermelskirchen im Bergischen Land. Diese Rechtsform - eine Kombination aus SE (Societas Europaea, der europäischen Aktiengesellschaft) und KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) - ist im deutschen Mittelstand verhältnismäßig selten. Sie erlaubt klare Eigentumslinien bei gleichzeitiger Flexibilität in der Kapitalstruktur. Als persönlich haftende Gesellschafterin fungiert die OBI Heimwerkermarkt Systemzentrale GmbH, ebenfalls in Wermelskirchen ansässig und im Handelsregister beim Amtsgericht Köln unter HR B 36389 eingetragen.
Die 74-prozentige Mehrheit hält die Tengelmann-Gruppe, die bereits 1985 bei OBI eingestiegen ist und ihren Anteil 2007 durch den Kauf der Anteile der Gründerfamilie Lux von 63 auf 74 Prozent aufgestockt hat. Die restlichen 26 Prozent liegen bei der Lueg-Gruppe.
Die deutschen Betriebsgesellschaften
In Deutschland trägt die OBI GmbH & Co. Deutschland KG die operative Verantwortung für das Kerngeschäft der deutschen Märkte. Daneben existiert seit 2025 die OBI Home and Garden GmbH als Betreiberin der digitalen Handelsplattform. Diese Aufgabenteilung zwischen stationärem Handel und Online-Geschäft spiegelt die strategische Neuausrichtung des Konzerns wider: Bis Juli 2025 war der Online-Shop noch bei der OBI Bau- und Heimwerkermärkte Systemzentrale GmbH angesiedelt; seither übernimmt die OBI Home and Garden GmbH diese Rolle.
Datenschutzrechtlich verantwortlich für die Plattform heyOBI ist die OBI Home and Garden Services GmbH. Diese Gesellschaft verwaltet die Nutzerdaten der registrierten heyOBI-Kunden.
Für den weltweiten Einkauf und die Beschaffung ist die OBI Group Sourcing GmbH zuständig. Sie ist aus der Fusion der historischen Emil Lux GmbH & Co. KG - einem der Gründerunternehmen mit mehr als 100-jähriger Geschichte - und der Euromate GmbH hervorgegangen. Die Sourcing GmbH koordiniert die globale Beschaffung, sichert Qualitätsstandards und steuert den Warenfluss für mehr als 32.000 Produkte aus dem gesamten Heimwerker- und Gartenbereich.
Die Landesgesellschaften im Überblick
In jedem der zehn Länder, in denen OBI aktiv ist, gibt es eigene Landesgesellschaften mit operativer Verantwortung für die Märkte vor Ort. Sie koordinieren lokales Marketing, sind Vertragspartner der jeweiligen Franchise-Nehmer und passen das Sortiment an nationale Besonderheiten an.
| Land | Märkte (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Deutschland | ca. 356 | Heimatmarkt, Marktführer im DIY-Segment |
| Österreich | ca. 79 | Systemzentrale Wien; 2015 massive Expansion durch Baumax-Übernahme |
| Polen | ca. 59 | Wichtiger Wachstumsmarkt in Osteuropa, heyOBI seit 2023 aktiv |
| Italien | ca. 57 | Erster internationaler Markt (1991); Schwerpunkt Norditalien |
| Tschechien | ca. 33 | heyOBI seit Ende 2024 eingeführt |
| Ungarn | ca. 30 | Seit 1994; solide Marktposition |
| Slowakei | ca. 16 | 2015 durch Baumax-Übernahme auf aktuelle Größe gewachsen |
| Schweiz | ca. 13 | Ab April 2025 in eigener Regie nach Migros-Übergabe |
| Slowenien | ca. 8 | Seit 1998; kleinster vollkonsolidierter Markt |
| Bosnien-Herzegowina | 1 | Seit 2003; einzelner Standort |
Österreich - die größte Auslandsgesellschaft
Die österreichische Landesgesellschaft ist mit rund 79 Märkten die größte außerhalb Deutschlands. Die OBI Bau- und Heimwerkermärkte Systemzentrale GmbH mit Sitz in Wien, Litfaßstraße 8, trägt die operative Verantwortung für das österreichische Stationärgeschäft. Sie war bis Juli 2025 auch Betreiberin des österreichischen Online-Shops; seither ist diese Rolle an die OBI Home and Garden GmbH übergegangen, die nun zentral den Online-Handel in mehreren Ländern bündelt.
Den entscheidenden Wachstumsschub brachte 2015 die Insolvenz des Konkurrenten Baumax. OBI übernahm 48 der 65 österreichischen Baumax-Standorte, die Bundeswettbewerbsbehörde genehmigte die Transaktion nach vierwöchiger Prüfung. Innerhalb von nur zwölf Wochen wurden alle Märkte auf OBI umgerüstet. Gleichzeitig übernahm OBI sämtliche 14 Standorte in der Slowakei und 2 in Slowenien sowie 4 ausgewählte Standorte in Tschechien. Diese Aktion gilt intern als Blaupause für die spätere digitale Transformation des Konzerns.
OBI Schweiz: Von Migros-Franchise zur eigenen Tochtergesellschaft (2025)
Die Schweizer OBI-Geschichte zeigt, wie flexibel das Gesellschaftsgeflecht des Konzerns ist. Seit 1999 wurden die Schweizer Märkte von der Migros-Genossenschaft als Franchise-Partnerin betrieben - der erste Markt eröffnete damals unter Regie der Genossenschaft Migros Basel. Die rechtliche Infrastruktur auf OBI-Seite war bereits früh etabliert: Die OBI International Development and Service GmbH wurde im Juli 2000 im Kanton Schaffhausen registriert, die OBI Bau- und Heimwerkermärkte Systemzentrale (Schweiz) GmbH folgte im November 2001 - beide mit Hauptsitz in Neuhausen am Rheinfall.
Zum 1. April 2025 übergab Migros alle zehn bestehenden OBI-Baumärkte an die OBI-Gruppe. Dazu kamen ein neu gebauter Markt (Eröffnung Mai 2025) sowie zwei große Do it + Garden-Filialen der Migros (Übernahme Juli 2025). Seither betreibt OBI in der Schweiz dreizehn Märkte in eigener Regie - und die Schweizer Gesellschaftsstruktur wächst entsprechend.
Russland - der Rückzug und seine Kosten
Ein wichtiges Kapitel der OBI-Konzerngeschichte ist der Rückzug aus Russland. Seit 2003 war OBI dort aktiv, betrieb zuletzt 27 Märkte mit knapp 4.900 Mitarbeitern und erzielte rund 456 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2020. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine stellte OBI den Betrieb ein und übergab die Märkte im Sommer 2022 zum symbolischen Preis von 600 Rubel an die russische Unternehmensgruppe MAX. Im Januar 2023 verkaufte MAX die Standorte weiter an die Finanzholding Modul-2. Die Belastungen durch den Rückzug beliefen sich laut Unternehmensanalyse auf rund 148 Millionen Euro.
Das Russland-Kapitel illustriert, dass Tochtergesellschaften nicht nur gegründet, sondern auch abgewickelt oder veräußert werden - und dass politische Risiken bei international aufgestellten Konzernen unmittelbaren Einfluss auf die Gesellschaftsstruktur haben.
Das Franchise-Modell und seine Gesellschaftsstruktur
Ein wesentliches Merkmal der OBI-Struktur ist das Franchise-System. Ein erheblicher Teil der deutschen Märkte wird nicht von der OBI GmbH & Co. Deutschland KG selbst betrieben, sondern von selbständigen Unternehmern als Franchise-Nehmern. OBI weist im Impressum ausdrücklich darauf hin: Die Baumärkte werden "im Rahmen des Franchisings teilweise von selbständigen Unternehmern betrieben".
Ein typisches Beispiel ist die BU Holding AG in Franken. Sie vereint unter ihrem Dach zwei operative OBI-Gesellschaften mit insgesamt 15 fränkischen Märkten sowie die Baustoff Union. Die Holding wurde 1998 gegründet und 2004 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Märkte werden von der Unternehmerfamilie Streng bereits in der zweiten Generation geführt. Anfang 2025 kam ein weiterer Typ hinzu: In Landau (Pfalz) firmierte mit dem Gillet Baumarkt erstmals ein Hagebaumarkt auf OBI um - ein Zeichen dafür, dass OBI das Netz auch durch Konversionen von Wettbewerbern erweitert.
Die wichtigsten Servicegesellschaften im OBI-Konzern
OBI Group Sourcing GmbH: Globale Beschaffung und Qualitätssicherung für über 32.000 Produkte, entstanden aus Emil Lux GmbH & Co. KG und Euromate GmbH
OBI Home and Garden GmbH: Betreiberin der digitalen Handelsplattform (Online-Shop Deutschland, Österreich und weitere Länder)
OBI Home and Garden Services GmbH: Datenschutzverantwortliche für heyOBI
OBI International Development and Service GmbH: Internationale Entwicklung, Sitz Schaffhausen (CH)
OBI Heimwerkermarkt Systemzentrale GmbH: Komplementär der Holding, Sitz Wermelskirchen
heyOBI: Die digitale Plattform und ihre Gesellschaftsstruktur
heyOBI ist keine eigenständige Tochtergesellschaft, sondern eine Plattform, die gesellschaftsrechtlich auf mehrere OBI-Einheiten aufgeteilt ist. Datenschutzrechtlich verantwortlich ist die OBI Home and Garden Services GmbH. Betreiberin der Handelsplattform selbst ist seit 2025 die OBI Home and Garden GmbH, während der stationäre Verkauf in den einzelnen Ländern jeweils bei den nationalen Landesgesellschaften verbleibt.
Nach dreijähriger Entwicklungszeit startete heyOBI zunächst in Deutschland und Österreich. Sie bietet neben dem Online-Shopping auch Projektanleitungen, Pflegepläne und die Möglichkeit, Fachberater per Videochat zu erreichen. Im August 2024 überschritt die Plattform in Deutschland, Österreich und Polen zusammen die Marke von sieben Millionen aktiven Nutzern. Ende 2024 folgten Tschechien und die Slowakei. Laut OBI-Pressemitteilung sind inzwischen über zehn Millionen Nutzer registriert - das ist für einen Baumarktkonzern eine ungewöhnlich hohe Bindungsrate.
Warum OBI so viele Gesellschaften braucht
Die Vielzahl der OBI-Tochtergesellschaften folgt einer klaren Logik. Landesgesellschaften sichern die lokale Betriebsverantwortung und ermöglichen marktspezifische Anpassungen - von Sortimentssteuerung bis Tarifrecht. Die Sourcing-Gesellschaft bündelt die globale Einkaufsmacht und verhandelt zentral mit Lieferanten in Asien und Europa. Die digitalen Servicegesellschaften ermöglichen rechtssichere Datenverarbeitung über Ländergrenzen hinweg. Das Franchise-System bindet unternehmerisches Engagement vor Ort ein, ohne die Marke zu verwässern.
Das Ergebnis ist ein Konzern, der nach außen einheitlich wirkt, intern aber dezentral organisiert ist. Mit dem Aufbau der heyOBI-Plattform als zentralem Kundenzugangspunkt versucht OBI, diese Dezentralität digital zu überbrücken: Der Kunde sieht eine Marke, hinter der dutzende Gesellschaften arbeiten.
Mehr über Eigentümerstrukturen und Unternehmensorganisationen bekannter Marken gibt es bei MARKTaktuell Unternehmen - zum Beispiel darüber, wem OBI gehört.
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