Wem gehört Action? - Der Discounter und sein Eigentümer 3i

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Wem gehört Action? - Der Discounter und sein Eigentümer 3i

Wer an Action denkt, denkt an weiße Plastiktüten, erstaunlich günstige Preise und das leicht chaotische Vergnügen, mit einem leeren Einkaufskorb reinzugehen und mit einem vollen rauszukommen. Was die wenigsten Kunden wissen: Hinter dem niederländischen Non-Food-Discounter steckt eine britische Beteiligungsgesellschaft, die aus einem Investment von 130 Millionen Euro in wenigen Jahren einen der wertvollsten Einzelhändler Europas geformt hat.

Wem gehört Action?

Action gehört mehrheitlich der britischen Beteiligungsgesellschaft 3i Group plc. Der aktuelle Anteil liegt bei rund 62 Prozent. Die restlichen Anteile befinden sich im Besitz des Managements und anderer institutioneller Investoren. 3i ist an der Londoner Börse notiert und gehört zum FTSE 100 - Action macht dabei mehr als 60 Prozent des gesamten Unternehmenswertes von 3i aus. Es ist damit nicht übertrieben zu sagen: Wer wissen will, wie es 3i geht, schaut auf Action.

Gegründet wurde Action 1993 von den Niederländern Gerard Deen, Rob Wagemaker und Boris Deen in der kleinen Stadt Enkhuizen in der Provinz Nordholland. Die erste Filiale war ein lokaler Discounter für Haushaltswaren und Restpostenware - günstig, unprätentiös, und offenbar genau das, was die Leute wollten. Bis Ende 1994 gab es bereits acht Filialen, bis 2002 waren es 94.

Der Einstieg von 3i - und was danach passierte

2011 übernahm die 3i Group gemeinsam mit institutionellen Anlegern für 130 Millionen Euro die Mehrheitsanteile von der Gründerfamilie Deen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Action rund 100 Filialen, fast ausschließlich in den Niederlanden. Was folgte, war ein Expansionstempo, das in der europäischen Einzelhandelsgeschichte seinesgleichen sucht.

2019 restrukturierte 3i seine Beteiligung und erhöhte seinen Anteil weiter. Bei dieser Gelegenheit wurde das Unternehmen mit 10,3 Milliarden Euro bewertet - dem rund 79-fachen des ursprünglichen Kaufpreises. Für den Finanzinvestor hat Action in den vergangenen zwölf Jahren umgerechnet rund drei Milliarden Franken ausgeschüttet, wie die Neue Zürcher Zeitung im Januar 2025 berichtete.

Der Umsatz entwickelte sich entsprechend: Von rund 700 Millionen Euro zum Zeitpunkt der Übernahme auf 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2022, 11,3 Milliarden Euro 2023 und 13,8 Milliarden Euro 2024. Das ist keine Wachstumsgeschichte - das ist eine Verwandlung.

Wie Action in Deutschland groß wurde

Die internationale Expansion begann schon vor dem 3i-Einstieg: 2005 eröffnete die erste Filiale in Belgien, 2009 folgte Deutschland. Die erste deutsche Action-Filiale öffnete in Schüttorf in Niedersachsen. Die Expansion verlief zunächst langsam, nahm dann aber an Tempo zu: 2016 knackte Action die Marke von 100 deutschen Filialen, 2020 waren es über 400, 2023 über 500. Mitte 2025 betreibt Action rund 600 Filialen bundesweit und ist nach Frankreich der zweitgrößte Markt des Konzerns.

Die Deutschlandzentrale hat ihren Sitz in Düsseldorf. Für die Logistik betreibt Action zwei Distributionszentren in Deutschland - in Biblis (Hessen) und in Peine (Niedersachsen), das seit 2024 in eigener Regie geführt wird.

Was das Geschäftsmodell so erfolgreich macht

Action verkauft ausschließlich Non-Food-Artikel - keine Frischware, keine Kühlketten, keine aufwendige Lebensmittellogistik. Das Sortiment umfasst rund 6.000 Artikel aus 14 Kategorien: Dekoration, Haushalt, Körperpflege, Spielzeug, Heimwerken, Mode, Tierbedarf und mehr. Der entscheidende Kniff: Zwei Drittel des Sortiments wechseln ständig. Jede Woche kommen über 150 neue Artikel ins Regal. Das erzeugt Neugier und sorgt dafür, dass Kunden öfter vorbeischauen - nicht weil sie etwas Bestimmtes brauchen, sondern weil sie schauen wollen, was es Neues gibt.

Die Filialen sind mit rund 1.000 Quadratmetern bewusst überschaubar gehalten. Der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegt bei über 14 Prozent des Umsatzes - für einen Discounter ein bemerkenswerter Wert.

Wie groß ist Action heute?

Stand Juli 2025 betreibt Action mehr als 3.000 Filialen in 13 europäischen Ländern: Niederlande, Belgien, Deutschland, Frankreich, Österreich, Luxemburg, Polen, Tschechien, Italien, Spanien, Slowakei, Portugal sowie seit 2025 die Schweiz und Rumänien. Das Unternehmen beschäftigt rund 70.000 Mitarbeiter und zählt jede Woche über 17 Millionen Kunden in seinen Filialen.

Bis 2035 plant 3i einen weiteren Ausbau auf rund 7.700 Standorte in Europa - das entspräche einer Verdopplung des heutigen Filialnetzes. In Frankreich, dem mit Abstand größten Markt, wurde Action mehrfach zur beliebtesten Handelsmarke des Landes gewählt, zuletzt 2023, 2024 und 2025.

Wird Action irgendwann an die Börse gehen?

Diese Frage begleitet Action seit Jahren. Ein klassisches Private-Equity-Modell - kaufen, wachsen, verkaufen - verfolgt 3i hier nicht. Da Action mehr als 60 Prozent des eigenen Unternehmenswertes ausmacht und 3i selbst börsennotiert ist, können Anleger die Action-Entwicklung bereits indirekt über die 3i-Aktie abbilden. Ein eigenständiger Börsengang von Action ist möglich, aber bislang nicht konkret angekündigt.

Mehr über Eigentümerstrukturen bekannter Handelsmarken gibt es bei MARKTaktuell Unternehmen - zum Beispiel darüber, wem OBI gehört.

Titelbild: Rachel Claire via Pexels · Lizenz: Pexels License